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Von Saigon nach Hanoi (Januar / Februar 2004)

Dalat - 29.01.2004

Tag 4 - die Fahrt mit dem Bus

Wir hatten ein Open Tour Ticket mit verschiedenen Zwischenstationen erstanden. Das bedeutet, das jeder selbst entscheiden kann, wann er weiterreist, nur die Zwischenstationen sind festgelegt. So kann man sich so viel Zeit lassen wie man möchte.

Obwohl Dalat nicht weit entfernt ist braucht der Bus doch recht lange, da die Straßen eng sind und viele Serpentinen auf dem Weg liegen.

Bilder aus dem Bus. Unten rechts das Logo von Sinh Cafe. Ich weiß nicht, wie viele verschiedene Sinh Cafes es gibt. Das ist für Außenstehende nur schwer zu durchschauen, aber die Intercity-Touren schienen zentral koordiniert.

Obwohl in Vietnam inzwischen die Marktwirtschaft Realität ist, sind die Straßen mit vielen roten Fahnen geschmückt. Abwechselnd werden der Gelbe Stern oder Hammer und Sichel, die alten Sowjetsymbole, abgebildet. Das ruft alte Erinnerungen hervor, die schon vergessen schienen.

Wenn Sie das Bild vergrößern, dann werden Sie in der Mitte einen LKW erkennen. Na was ist das?

Dazu viel mir ein alter DDR Spruch ein: "Wer IFA fährt, fährt nie verkehrt, weil IFA nämlich gar nicht fährt!"

Auch 14 Jahre nach dem Zusammenbruch der DDR fahren erstaunlich viele W50 durch Vietnam und die sehen erstaunlich gut aus, viel besser als die wenigen Simson oder MZ. Da scheint jemand Ersatzteile zu produzieren. Sie fahren also doch :-)

Eine Raststätte an der Landstraße mit schönem Kinderkarussel. Impressionen aus dem Bus, im Hintergrund ist eine katholische Kirche zu sehen.
Im buddhistischen Vietnam gibt es erstaunlich viele katholische Kirchen.
Der Fahrradparkplatz einer Schule. Hunderte! Relikte der alten Zeit. So was habe ich das letzte Mal vor 14 Jahren gesehen. Die üblichen Themen: Wahlen, Sieg bei Dien Bien Phu, Verkehrssicherheit und der Weltfrieden.

Tag 4 - Erste Eindrücke von Dalat

Dalat ist eine schöne Stadt und man kann einiges besichtigen, aber wer wenig Zeit hat, der kann auch auf den Abstecher verzichten und direkt nach Norden weiterreisen. Es wird zwar in Reiseführern oft mit Paris verglichen, wohl weil es einen kleinen Eifelturm hat, aber alles ist viel kleiner und man muss es nicht unbedingt gesehen haben.

Für die Vietnamesen hat es eine andere Bedeutung. Zum einen leben hier viele Vietnamesen der kulturellen Elite und zum anderen, hat Dalat einige beliebte Ausflugsziele, die gerne von Hochzeitspaaren aufgesucht werden. Hier trifft man also viele vietnamesische Touristen.

Nach der Ankunft mit dem Bus und dem Einchecken im Hotel machten wir uns auf zur Stadterkundung. Wir wanderten über den riesigen Hoa Binh Marktplatz, auf dem es neben allen möglichen Sorten Fisch und Gemüse auch noch vieles anderes gab. Besonders lecker fand ich die vielen Erdbeeren, die mich an den Satz: "Cock it, boil it, peel it or forget it!" denken ließen. Ich habe dann doch einen sehr leckeren Erdbeershake getrunken. Es geht eben nix über mitdenken. Die meisten Läden sind dort sehr hygienisch und da kann man dann auch unbedenklich eine Erdbeermilch trinken. Eine Lebensmittelvergiftung kann man sich auch in Deutschland zuziehen.

In jedem Ort gab es ein paar Propagandaplakate. Hier sehen wir die weibliche Version mit starken Frauen. Von der Soldatin, Bäuerin, Wissenschaftlerin über Bauarbeiterin bis zur kleinen Pionierin kämpfen die Frauen für den Sozialismus.
Da sag ich nur: "Rot Front!"
In Dalat gibt es einen kleinen Eifelturm, der dem Pariser nachgebaut wurde. Die Stadt Dalat wurde wohl von den französischen Kolonialherren als Erholungsort in den Bergen gegründet. Dort ist es nicht so heiß wie im Rest des Südens. Mopeds haben in den letzten Jahren die Fahrräder abgelöst und sind sehr wichtig für die Vietnamesen. Sie werden meist in die Wohnungen mitgenommen und untergestellt. Diese Schrägen sind also nicht für Kinderwagen, sondern für Fahrräder und Mopeds.
Hier stehe ich vor einem schönen Haus. In der Nähe war eine Art Rathhaus und vor dem Haus war eine Schautafel, auf der Fotos mit fiesen Unfallopfern zu sehen waren. Die Vietnamesen fahren in den Städten ohne Helm und sehr kreativ. Auch wenn Du ganz rechts fährst, es kommt dir immer noch jemand entgegen. Besonders im Süden. Ab Hue in der Mitte fahren sie viel disziplinierter.

Beim überqueren der Straße gilt: "Augen zu und langsam durch!", vor allem ohne plötzlich stehen zu bleiben. Der Verkehr fließt um dich herum, bleibst Du stehen, bringst du den ganzen Fluß durcheinander! Mich hat das immer an den Disney Film Mulan erinnert. Am Anfang des Filmes wollte die Großmutter ihrer Familie beweisen, das sie eine Glücksgrille hat und ist mit geschlossenen Augen und der Grille über die Straße gegangen. Sie kam heil an, die Grille hatte einen Nervenzusammenbruch und der Verkehr war hinter ihr auch im Chaos versunken. Also Augen zu und durch :-)

Zu jeder Tageszeit trifft man Schüler auf den Straßen. Es wird wohl oft in drei Schichten unterrichtet, so das immer irgendwelche Massen von Schülern von der Schule kommen oder zu ihr fahren.

Wir haben uns dann am Abend im Hotel erkundigt, was man hier so unternehmen kann und haben uns für eine Tagestour durch Dalat und Umgebung entschieden.

In der Nähe des Marktplatzes befinden sich auch viele Imbissstände wo die verschiedensten Dinge angeboten werden. Es gab so eine Art merkwürdigen dünnflüssigen Pudding, der sehr süß war und den ich dann doch unauffällig entsorgte. Dann eine lange Reihe von Ständen an denen es alle möglichen Sorten von Muscheln und Schecken gab. Meine Kollegin musste unbedingt so etwas essen. Es roch auch ganz gut, aber das war alles so glibberig :( Die Schnecken wurden mit einem Zahnstocher aus den Häuschen gepult, die Muscheln ausgeschlabbert. Ich wollte wirklich probieren, aber habe dann doch gekniffen. Eine einheimische Vietnamesin, die neben uns saß, forderte mich immer wieder auf, ich solle doch probieren. Lieb gemeint.

In Japan hab ich es dann doch probiert, aber da roch es nicht so lecker. Wie verzweifelt muß der erste Mensch gewesen sein, bevor er eine Schnecke aß? Oder Muscheln? Aber weil nix anderes da war hat sich dieser Mensch daran gewöhnt. Und später, als er dann andere Menschen traff erzählte er ihnen, das sei eine Spezialität. Ich bin immer sehr skeptisch, wenn mir irgendjemand eine Spezialität anbietet. Seien wir doch einmal ehrlich. Alle beliebten und gut schmeckenden Speisen haben sich doch inzwischen über die Welt verbreitet. Wenn es also irgendwas nur an bestimmten Orten gibt, dann ist es entweder verschimmelt oder glibberig ... Na ja, nur so ne Theorie von mir :-)

Ich finde das das Gefährlichste an einer Auslandsreise die verschiedenen Speisen sind. Wird man eingeladen, dann ist man oft gezwungen zu probieren und die Gastgeber meinen es ja nur gut, wenn sie einem den Teller mit Spezialitäten volladen. In Vietnam gibt es auch ein paar Dinge die Ausländern erst gar nicht angeboten werden :-) Zum Beispiel eine sehr spezielle Soße.

Besonders interessant fand ich aber, das die Muschelschalen und Schneckenhäuschen einfach auf den Boden geworfen wurden. Dadurch sah alles ein bisschen chaotisch aus, auch wenn die Verkäufer ab und zu mal saubermachen. Man könnte ja auch einfach einen kleinen Eimer auf den Tisch stellen, aber das scheint nicht üblich zu sein.


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